DSGVO als Innovationsbremse?

von Benjamin Talin // Ein Gastkommentar des morethandigital-Gründers und Spezialisten für digitale Transformation in Unternehmen. 

Einige der innovativsten und disruptivsten Geschäftsmodelle der letzten Jahre bauen auf der Verwertung von Nutzerdaten auf. Facebook, Google, WeChat und viele andere sind hier führend beim Sammeln und Auswerten unserer persönlicher Daten, um damit Werbung oder Daten für Dritte anzubieten oder deren Auswertungen anderen zur Verfügung zu stellen.

Doch kann diese Flut an Innovationen, getrieben durch den Wert unserer persönlichen Daten, durch die DSGVO behindert werden? Müssen Firmen auf innovative Geschäftsmodelle verzichten? Wird der Datenschutz Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz etc. ausbremsen oder in Europa Unternehmen blockieren?

Die Antwort kann ich hier schon mal geben: Nein, wird er nicht!

Daten sind ein kostbares Gut. Und dieses Gut wurde in der Vergangenheit nur von Wenigen wie ein Schatz behandelt und auch entsprechend verwaltet. Das Problem für den Nutzer; Sie wissen meist nicht, was über sie gesammelt wird. Ohne die neue DSGVO hatten sie nicht mal die Chance, diese Daten einzusehen. Geschweige denn alle Daten von sich zu löschen bzw. löschen zu lassen. Dieses Problem löst nun die neue Datenschutzgrundverordnung.

Unternehmen – speziell die datenverarbeitende Industrie – werden sich jetzt bewusst, dass sie auf die Datenpflege in der Vergangenheit wenig Wert gelegt haben. Es sind viele verschiedene Datenbanken verfügbar, es gibt keine einheitliche Struktur und die Daten sind innerhalb des Betriebes verstreut.

Firmen können die neue Datenschutzverordnung daher als eine große Chance sehen. Durch die Bemühungen, alle gesammelten Informationen über Kundendaten, Webseiten-Interaktionen etc. für die Nutzer zugänglich zu machen, ist es sinnvoll, sich auch aktiv mit der Datenpflege auseinanderzusetzen. Die DSGVO erlaubt es auch, im Zusammenspiel von Firmen und Nutzern die Daten auszuwerten und diese als gemeinsame Währung zu nutzen. Dies kann neue interessante Geschäftsmodelle hervorbringen.

Fünf positive Auswirkungen auf Innovationen

Die Ausrede, dass die DSGVO Firmen und ihre Innovationen negativ beeinflussen wird, wird auch weiterhin eine Ausrede bleiben. Wie jüngste Datenlecks von Google, Facebook & Co. bewiesen haben, ist ein bewusster und sicherer Umgang mit Nutzerdaten sehr wichtig und wird auch von den meisten Kunden und Nutzern als eines der wichtigsten Güter beschrieben. Vertrauen und Sicherheit im verantwortungsvollen Umgang mit Daten werden eine neue Währung in der Unternehmenswelt. Aus diesem Grund haben die neuen Auflagen der DSGVO auch positive Auswirkungen auf Firmen:

1.    Privacy by design

Der Gedankenanstoß zu privacy by design wird zu vielen neuen Innovationen führen. Privacy by design ist eine Informationsstrategie, die bereits zu Beginn eines jeden datengetriebenen Prozesses die Umsetzung der DSGVO beachtet. Dabei wird Datensicherheit von Anfang an als wichtiger Bestandteil betrachtet und alle Prozesse dementsprechend angepasst. Diese Vorgehensweise zahlt sich jetzt schon für Firmen aus, da dies zu besserer Kundenloyalität und -zufriedenheit führt. Und auch für den Nutzer, denn der Datenschutz steht im Zentrum der Überlegungen

2.    Fokus auf relevante Daten

Das Ziel jedes Unternehmens sollte es sein, die personenrelevanten und damit die DSGVO-relevanten Daten zu identifizieren. Diese sollten dann zielgerichtet aufgelistet werden, eingeordnet und nach Abteilungen und Zugriffsrechten kategorisiert werden. Dies führt dazu, dass nur berechtigte Personen die Daten bearbeiten dürfen und niemand anderes Zugriff hat.

3.    Metadaten-Management

Um Daten erfolgreich managen zu können, ist es vorteilhaft diese mit den «Wer, Was, Wo und Warum»-Attributen, sog. Metadaten, zu versehen. Diese saubere Beschreibung der Daten kann dabei helfen, Fragen zu beantworten, wie:

  • Wer nutzt die Daten?
  • Was ist das Security-Level der Daten?
  • Welches sind spezielle oder regionale Vorschriften für Daten?
  • Welcher Nutzen haben die Daten?
  • Wie und wo können die Daten angewendet werden?

Eine gute Metadatenstrategie führt auch dazu, dass Firmen nur die benötigten Daten verwerten und keine großen Datensätze verarbeiten, die eigentlich nicht gebraucht werden. Somit können die selben Ergebnisse mit weniger Daten erreicht werden.

4.    Datenvirtualisierung als Chance

Da jede Firma unterschiedliche Datenbanken und Systeme hat, in denen Informationen gelagert werden, ist es sinnvoll, eine sogenannte «virtual data layer» einzubauen. Diese sammelt alle Daten verschiedener Quellen und vereint diese auf einer virtuellen Ebene. Dabei müssen die grundlegenden Datenbanken nicht verändert werden.

Dieses effektive Datenmanagement führt dazu, dass viele Firmen erstmals über eine bessere Übersicht und somit Nutzbarkeit der Daten verfügen. Der Nutzen der DSGVO-Konformität für den Kunden: Er kann Daten einfach abrufen, verwalten oder löschen lassen.

5.    Chance durch den Datenschutzbeauftragten

Mit der DSGVO wurde verpflichtend die Benennung eines konkreten Datenschutzbeauftragten für eine jede Organisation eingeführt. Viele Unternehmen sehen im verpflichtenden Datenschutzbeauftragten aber nur zusätzliche Verwaltungskosten. Dabei ist er vielmehr zentraler Ansprechpartner für alle Abteilungen und Bereiche des Unternehmens. Er kann nicht nur die firmeneigene Sicherheitsrichtlinie aufstellen und überwachen, sondern auch in Projekte eingebunden werden. Der Datenschutzbeauftragte kann beispielsweise helfen, neue innovative Produkte im Einklang mit der DSGVO auf den Markt zu bringen (privacy by design). Somit kann er auch eine zentrale Rolle bei der Wertgenerierung spielen.

Was bedeutet das alles für die Endkunden und Nutzer?

Richtig verwaltet und umgesetzt, können nicht nur die Nutzer, sondern auch die Unternehmen selbst langfristig von sauberen Datenstrukturen, nachhaltigen Innovationen und einer guten Vertrauensbasis profitieren.

Dadurch, dass Firmen mit den Nutzern in den Prozess einer Symbiose einsteigen, werden Kunden und Nutzer besser eingebunden und Unternehmens sind angehalten, transparent und nachvollziehbar zu arbeiten.

Egal ob für die persönlichen Daten oder unternehmerische Innovation: Die DSGVO ist ein wichtiger Schritt in eine datengetriebene Zukunft.


Benjamin Talin ist Gründer von MoreThanDigital und 11-facher Serien-Unternehmer seit er 13 Jahre alt ist. Als Gründer schlägt sein Herz für Innovation und Disruption. Als Berater hilft er Firmen, Regierungen sowie Organisationen in der Digitalisierung. Regelmässig ist er weltweit als Keynote Speaker unterwegs, um möglichst viele für Innovation und digitale Transformation zu begeistern und um aufzuklären.